Warum tun sich viele Unternehmen nur so schwer mit Veränderungen?

Je größer ein Unternehmen, desto weniger wandlungsfähig ist es. Das ist gut, denn große Unternehmen, die sich nicht ändern, werden sterben. Die Lücke wird von kleinen, wandlungsfähigen Unternehmen gefüllt werden, die besser, schneller und effektiver auf die Bedürfnisse des Marktes reagieren können.

Die Kraft zu Veränderungen, die fortlaufenden Anpassungen an den Wandel ist der einzig relevante Erfolgsfaktor, für Unternehmen die Innovationen und neue Chancen nutzen wollen, um ihre Existenz und ihr Wachstum zu sichern. Das macht Start-ups mit ihrer Beweglichkeit und der Kraft zu schnellen Veränderungen und Handlungsmodifikationen so faszinierend. Im Vergleich dazu gibt es eine Reihe von Gründen, warum vor allem die großen Unternehmen, so resistent gegen Veränderungen sind.

Vor allem die fehlende Bereitschaft des Top Managements, Veränderungen zu forcieren und aktiv zu unterstützen, ist hauptursächlich für die nachhaltige Veränderungsresistenz mancher Unternehmen. Einige der Ursachen, die in der Grafik schon dargestellt sind, sollen hier noch einmal kurz benannt werden:

„Wir haben das nicht nötig“. Frühere Erfolge haben eine gefährliche Arroganz geschaffen. Man fühlt sich unbesiegbar, schließlich ist man ja wer.

Der Managementbonus orientiert sich hauptsächlich an kurzfristigen Finanzzielen – Veränderungen wirken aber mittel- bis langfristig und sind mit Risiken verbunden. Und Letztere versuchen bonusorientierte Manager gerne zu vermeiden.

Kurzum das Dilemma kurzer Vorstandsperioden steht im Weg. Eine Krankheit, an der Familienunternehmen eher selten leiden. Privat geführte Unternehmen agieren meist auf lange Sicht, auch bei den Veränderungen.

Sowohl die Märkte als auch die Unternehmen werden bei ansteigender Größe immer komplexer. Da wächst dann auch die Angst vorm Scheitern und dem finanziellen Verlust. Wenn dann noch Kompetenz und Courage fehlen, dann geht die Risikobereitschaft des Top Managements schnell gegen null.

Lieber konzentriert man sich auf Bewährtes, Althergebrachtes – egal ob das noch zeitgemäß ist oder nicht. Auch im Kreis der Mitarbeiter. Denn, wenn schon die Manager nicht an den Change Prozess glauben, dann werden es die Mitarbeiter erst recht nicht tun. Es sei denn, es handelt sich um diese seltsame Spezies der Querdenker; aber die haben in solchen Unternehmen einen schweren Stand, sind nicht gerne gesehen und werden gerne auch mal rausgemobbt; durchaus auch von oben.

Neben der fehlenden Motivation sind es aber auch ganz banale Gründe, warum sich Mitarbeiter gegen Veränderungen sperren – emotionale etwa, denn wer Ideen hat, der stellt Bestehendes infrage und verlässt gewohnte Bahnen. Da fühlt sich der ein oder andere, der sich mit ändern soll, ganz schnell angegriffen.

Wir alle sehnen uns im Grunde nach Stabilität und keiner möchte seine Komfortzone verlassen. Doch genau das ist notwendig, um etwas zu ändern. Wer Change will, der muss arbeiten; auch an sich selbst arbeiten und das kostet Energie. Wenn dann die Mitarbeiter auch noch zu tief im Tagesgeschäft stecken, dann fehlen neben dem Veränderungswillen auch die dazu nötigen Ressourcen. Neues kostet ja nicht nur Zeit und Energie, man muss schließlich auch überzeugen können. Erst sich selbst und dann auch noch die Anderen.

Einfach weitermachen wie bisher, ist da sehr viel bequemer – das geht auch aus der Komfortzone heraus. Interessanterweise sind wir ja nicht grundsätzlich gegen Veränderungen; wir wollen nur möglichst wenig dafür tun und fallen gerne wieder zurück in alte Verhaltensmuster.

Hinzu kommt, dass gerade in großen Unternehmen die Folgen einzelner Handlungen, oft kaum bemerkt werden – egal ob positiv oder negativ. Da bleibt der Beitrag des Einzelnen zum Erfolg zu wenig sichtbar und das demotiviert – natürlich. Am Ende zieht sich der Mitarbeiter aus dem Veränderungsprozess zurück. Er glaubt nicht an sein Veränderungspotenzial, das Management glaubt nicht an die Veränderung – der Teufelskreis ist perfekt.

Oft wissen Mitarbeiter aber auch gar nicht, dass da irgendwo etwas verändert werden soll, kann oder muss. Denn nicht selten mangelt es schon an den Kommunikationsstrukturen. Da fehlt dann schlicht und ergreifend das Wissen; oder Informationen kommen nur mit großer Verspätung an. Und dann ist da noch das verfluchte Silodenken. Bei den Budgets stehen die Abteilungen nicht selten im direkten Konkurrenzkampf, doch das weitet sich oft zu einem generellen Verhaltensmuster aus. Abteilungsübergreifende Zusammenarbeit oder gar das Ziehen an einem Strang gilt in manchen der großen Unternehmen fast als Sakrileg. Dabei sind das doch die Grundvoraussetzungen, damit Veränderungen erfolgreich entwickelt und realisiert werden können.

Die Auseinandersetzung mit Veränderungen, sie erfolgreich zu initiieren, zu fördern und zu realisieren ist heute Grundvoraussetzung, damit das Unternehmen überleben kann. Doch der Stellenwert, den das Change Management einnimmt, wird an vielen Stellen unterschätzt und die Brisanz des Themas sträflich vernachlässigt.

Und wie schaut der Staus-Quo für Veränderungs-Vorhaben in ihrem Unternehmen aus?

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2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Hansjörg Hohwieler
    20. September 2017 19:07

    Sehr geehrter Herr Brenner,
    was die Hindernisse betrifft, die auftreten, wenn konkrete Änderungen umgesetzt werden sollen, kann ich Ihnen nur zustimmen. Neue Ideen sind schick, Innovationen gefordert – solange man sie präsentiert. Aber oft scheitert die Umsetzung schon dann, wenn entschieden werden soll, welche Idee die Beste aus mehreren Vorschlägen ist, weil Mut oder Wissen fehlen. Aus meiner Erfahrung gibt es diese Probleme aber auch in kleinen Unternehmen.

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    • Rainer Brenner
      9. Oktober 2017 12:28

      Vielen Dank für Ihren Kommentar Herr Hohwieler. Mit Ihrem Hinweis liegen Sie völlig richtig: Es ist ein generelles Problem und zieht sich durch die gesamte Unternehmenslandschaft – von ganz groß bis ganz klein. Dennoch sind die „Kleinen“ hier klar im Vorteil: während sich die „Großen“ oft mit starren Strukturen selbst im Wege stehen, besitzen KMUs meist die nötige Flexibilität, um sich schnell auf neue Gegebenheiten einzustellen. Wer erst einmal erkannt hat, dass sich etwas ändern muss, ist meist schon auf einem guten Weg.

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