Sie kommen, um gleich wieder zu gehen.

Sind Interim Manager wirklich rücksichtslose Sanierer und skrupellose Optimierer – sind es alternde Manager, die es einfach nicht lassen können oder gar gescheiterte Existenzen?

Die Liste der Vorurteile ist lang, doch die Wahrheit über den Berufsstand des Interim Managers sieht anders aus. Eine aktuelle Studie räumt nun auf mit den Vorbehalten gegen einen schlecht beleumdeten Berufsstand. Der Dienstleister Kerkhoff Interim hat mehr als 300 Interim Manager befragt und dabei Interessantes zutage gefördert.

Eine leichte Überalterung lässt sich in der Tat nicht leugnen, denn 60 % der Interim Manager sind älter als 50 und 13 % sogar älter als 60 Jahre. Jünger als 40 Jahre sind nur knapp 8 % der Interim Manager. Doch was auf den ersten Blick wie ein krampfhaftes Festhalten am Arbeitsleben wirkt, ist in der Tat eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine Tätigkeit als Manager auf Zeit. Denn diese Seniorität bedeutet vor allem eine Menge an praktischer Erfahrung und Souveränität. Und ohne die kommt so ein Interim Manager nicht weit. Immerhin kommt er kurzfristig und für einen sehr eingeschränkten Zeitraum in ein Unternehmen. Eine Einarbeitungs- oder Eingewöhnungsphase gibt es für die Manager Nomaden nicht. Erste Ergebnisse werden binnen Tagen erwartet und das in Situationen, die angespannt bis kritisch sind. Oft sind es Strategiewechsel, Umstrukturierungen oder die Erschließung neuer Märkte, für die externe Manager vorübergehend angeheuert werden. Solche Aufgaben sind, ohne hinreichende praktische Erfahrung im obersten Hierarchiebereich eines Unternehmens, nicht zu bewältigen.

Wer sich als Interim Manager verdingt, hat sich ganz bewusst für eine Selbstständigkeit entschieden, die gestandene Fach- und Führungskräfte erfordert. Auch wenn die ersten Schritte in die Ungewissheit oft zufällig waren, will doch die Mehrheit der Interim Manager nicht wieder zurück in geordnete Verhältnisse. Nur etwa 40 % der befragten Interim Manager können sich eine Rückkehr zu einer Festanstellung vorstellen. Die überwiegende Mehrheit hat Geschmack gefunden an der Unabhängigkeit, den abwechslungsreichen Aufgaben und den zeitlichen Freiheiten, die eine solche Tätigkeit mit sich bringt. Vor allem die Unabhängigkeit verlockt die Manager. Sie ist mit Abstand der meistgenannte Anlass für einen Wechsel in die Freiheit. Aber sie fordert auch eine sehr hohe Mobilität.

Diese räumliche Unabhängigkeit und der hohe Erfahrungsschatz eines Interim Managers haben auch ihren Preis. Tagessätze zwischen 1.000 und 2.500 EUR sind durchaus üblich. Das mag auf den ersten Blick unverhältnismäßig hoch erscheinen. Untersuchungen zum Return-on-Interim-Management (RoIM) zeigen aber, dass ein Interim Manager für den Auftraggeber mindestens das Doppelte seines Honorars erwirtschaftet. In den Bereichen Einkauf und Materialwirtschaft sind auch schon mal 1.000 Prozent und mehr möglich. Zudem wird ein Interim Manager nur bei Anwesenheit bezahlt – Ansprüche auf Urlaub oder bezahlte Krankentage hat er genauso wenig wie Freistellungen für Weiterbildung und Schulung.

Interim Management ist in hohem Maße ein Empfehlungsbusiness. Wer hier langfristig erfolgreich tätig sein will, braucht erstklassige Expertisen wie Management-Skills oder spezielle funktionale und/oder branchenspezifische Fertigkeiten. Ein hervorragendes Netzwerk unterstützt den Interim Manager bei der nächsten Akquise. Oft entstehen dabei Kontakte zu Interim Management Providern – speziellen Agenturen, die als Vermittler zwischen Auftraggebern und Interim Managern auftritt.

Durchhaltevermögen und ein dickes Fell benötigt ein Interim Manager aber nicht nur, um souverän auch mal durch Untiefen der zeitlichen Freiheit zu kreuzen. Auch wenn er einen Auftrag hat, ist er auf diese Eigenschaften angewiesen. Innerhalb des Unternehmens hat er kaum einen leichten Stand. Ablehnend reagieren nicht nur die Beschäftigten, auch viele Führungskräfte begegnen dem Externen erst einmal mit Misstrauen. Es scheint dem Selbstverständnis vieler Unternehmen zu widersprechen, dass jemand von außen etwas schaffen kann, an dem sich Interne vergeblich versucht haben. Doch gerade der Abstand und die Unverbundenheit des externen Managers garantieren hohe Objektivität, Zielorientierung und das völlige Fehlen individueller Absichten. Zudem ist es für einen Außenstehenden sehr viel leichter, neue Perspektiven und Lösungsansätze zu entwickeln.

Wie also soll man den typischen Interim Manager beschreiben? Am treffendsten wohl als einen erfahrenen, praxiserprobten Spezialisten auf Zeit, der ein Unternehmen mit seinem langjährigen Know-how, seiner Objektivität und Souveränität bei den ersten Schritten in eine neue Richtung begleitet. Er selbst schätzt an seiner Tätigkeit vor allem die Unabhängigkeit und die wechselnden Herausforderungen. Und das ist ihm die Unsicherheit einer selbstständigen Existenz wert. Alles in allem ist es vor allem risikofreudig und Neuem gegenüber aufgeschlossen.

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