Gestatten, Interim Manager – eine Berufsgruppe stellt sich vor

An manchen Tagen begegnen mir hierzulande auf meine höfliche Vorstellung hin vor allem fragende Blicke, das ist zwar schade, denn nach fast 50 Jahren sollte das Konzept Management auf Zeit eine sehr viel breitere Akzeptanz besitzen – doch das ist allemal besser als an den schlechten Tagen, an denen die misstrauischen, kritischen und ablehnenden Mienen überwiegen.

Höchste Zeit also einen Beruf vorzustellen, der sich gerade für kleine und mittlere Unternehmen in naher Zukunft als unverzichtbar erweisen wird, um im härter werdenden Wettbewerb zu überleben.

The Interim Management Europe Tour
oder ein kurzer Exkurs über die Entwicklung

Die schwedische Unternehmensberatung Sevenco hatte den Begriff des Interim Managements erstmals Mitte der 1960er Jahre aus dem Hut gezaubert.

Während die Skandinavier Interim Management vorrangig als eine optionale Dienstleistung ihrer Berater verstanden, entwickelte sich ab 1973/1974 in den Niederlanden und Großbritannien schnell eine eigenständige Berufsgruppe. Diese schnelle Verselbständigung wurde vor allem durch die Ölkrise vorangetrieben.

Ab Mitte der 1970er lautete das neue Credo der Unternehmen plötzlich Lean Structures und in Ländern mit vergleichsweise flexiblen Arbeitsmarktregelungen wie etwa Großbritannien oder den Niederlanden machten die Sparmaßnahmen auch vor dem mittleren und oberen Management nicht halt. Und diese arbeitslosen Manager bildeten für die Unternehmen das willkommene Reservoir, um die bei derart schlanken Managementstrukturen zwangsläufig immer wieder aufreißenden Personallücken flexibel zu schließen. So entstand eine Klasse von Managern, die nicht mehr ihre Arbeitskraft, sondern als eine Art Honorar-Manager auf Zeit nur noch ihre Fähigkeiten als Dienstleistung anboten.

Startschwierigkeiten in Deutschland

In der Bundesrepublik erlangte der Begriff des Interim Manager erst um 1990 im Zuge der Wiedervereinigung eine gewisse Bekanntheit. Angeheuert von der Treuhandanstalt wurden erfahrene Manager aus dem Westen zur Sanierung, Entflechtung und Reprivatisierung ehemaliger DDR-Staatsbetriebe in Scharen gen Osten geschickt um zu retten, was betriebswirtschaftlich noch zu retten war. Der Berufsgruppe hat dies – insbesondere in den neuen Bundesländern – den Ruf eines rücksichtlosen Ausschlachters eingetragen, den sie bis heute nicht völlig losgeworden ist.

Erst seit wenigen Jahren wird auch in Deutschland der Interim Manager zunehmend als fähiger Allrounder wahrgenommen. Empirische Zahlen gibt es zwar kaum, aber es ist davon auszugehen, dass wenigstens 70 – 75 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen noch nie etwas vom Interim Management gehört haben.

Europa und der Rest der Welt

Mittlerweile ist das Konzept des Interim Managements in ganz Europa zu einem wichtigen Werkzeug in der Flexibilisierung vorübergehender Personalengpässe im mittleren und oberen Management geworden und wird als eigenständige Dienstleistung ganz selbstverständlich genutzt.

Außerhalb Europas hat sich die Berufsgruppe der Interim Manager bislang nicht etablieren können. In den USA beispielsweise wird sich der selbständige Manager wohl kaum durchsetzen. Zu groß sind die Unterschiede im Arbeitsmarkt und beim Kündigungsschutz.

Anders sieht die Situation in Asien aus. Insbesondere der Asiatisch-Pazifische Wirtschaftsraum (APAC) wird immer interessanter. Nicht nur, weil mehr und mehr europäische Unternehmen hier

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