Invention ⇔ Innovation?

Sind Inventionen – also Erfindungen – mit Innovationen gleichzusetzen? Ganz sicher nicht. Erfindungen, Technologien und Innovation_CrossPatente stellen in der Regel nur die Vorstufen oder Stationen auf dem Weg dar. Sie ermöglichen die Entwicklung von Innovationen oder bilden deren elementare Grundlage. Doch zunächst bereichern sie nur die Gestaltungsmöglichkeiten und das Potenzial, aus dem dann tatsächlich Innovationen geschaffen werden.

Nicht selten sind sich Erfinder der wirtschaftlichen Tragweite ihrer Erfindung gar nicht bewusst. Oder sie machen sich erst sehr viel später Gedanken über eine kommerzielle Umsetzung. Thomas Edison beispielsweise hat in seiner ersten Arbeitsphase mehr als 400 Patente angehäuft. Unter anderem auch für die elektrische Glühbirne. Erst in seiner zweiten Schaffensphase nahm er die wirtschaftliche Realisierung seiner wichtigsten Patente in Angriff.

Mitunter fehlt auch nur der richtige Anstoß. Gideon Sundback, der sich 1913 den Reißverschluss patentieren ließ, schaffte es mit seiner Erfindung bis zur Serienfertigung. Doch erst als die US-Army 1917 den Reißverschluss für Uniformen verwendete, begann der eigentlich Run.

Oft kommen Erfindungen aus reinen Forschungseinrichtungen und deren Wissenschaftler sind nicht selten meilenweit von kommerziellen Interessen entfernt. Das gilt selbst für private Forschungseinrichtungen. So wurden in den Bell Laboratories des US-Kommunikationsgiganten AT & T die Grundlagen für die Transistortechnik entwickelt. 1953 erwarb eine kleine, japanische Firma eine Lizenz zum Herstellen von Transistoren und brachte kurz darauf unter dem Herstellernamen Sony das erste Transistorradio auf den Markt. Einige Jahre später nutzte IBM die gleiche Technologie für die Entwicklung kleiner, leistungsfähiger Computer und beendete die Zeit der auf Relais bzw. Elektronenröhren basierenden Großrechenanlagen. Auch die Solarzelle, heute Grundlage aller Fotovoltarikanlagen, wurde an den Bell Labs entwickelt. Bei allem war AT & T im wesentlich nur Lizenzgeber. Den großen Gewinn machten stets andere.

Ähnlich glücklos verliefen die Forschungen die Xerox in seinem Palo Alto Research Center (PARC) betrieb. Mit Ausnahme der Laserdruckertechnologie schaffte es Xerox kaum, eigene Erfindungen in klingende Münze umzusetzen. So wurde sowohl die Computermaus als auch die grafische Benutzeroberfläche, ohne die so eine Maus sinnlos ist, im Wesentlichen bei am PARC entwickelt – und das schon in den 1970er Jahren. Doch erst Apple machte knapp 10 Jahre später mit dem Macintosh Computer aus beidem echte Innovationen. Inzwischen sind die Maus und die grafische Benutzerschnittstelle Standards bei Computern.

An das bereits zitierte Beispiel des vom Fraunhofer ILS Institut entwickelte MP3 Format sei hier noch einmal erinnert. Auch hier liegt zwischen der Erfindung und deren Umsetzung in eine wirtschaftlich funktionierende Innovation ein beträchtlicher Zeitraum.

Kehren wir nun zurück zum Anfang und wiederholen: Erfindungen sind keine Innovationen, aber wichtige Bausteine für deren Entwicklung. Vielleicht ist es ja eine Art Naturgesetz, dass bei genialen Erfindern die Fähigkeit zur wirtschaftlichen Umsetzung stark eingeschränkt ist.

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